Sonntag, 27. April 2008

Bus(c)hbesuch in Avoca

Gerade sind wir von einem wunderbaren Wochenendtrip zu Renate (die aeltere Schwester von Frank) und Noel zurueck gekommen. Die beiden leben in einem winzigen Staedtchen mit Namen Avoca, dazu dann noch in einer Strasse die Vinoca Road heisst, wohlbemerkt ohne Hausnummer, und das alles ist schon im Bush Australiens und soll mal nicht verwirrend sein.
Wir haben immerhin die normalen zweieinhalb Stunden Fahrtzeit gebraucht und sind mit stolzgeschwellter Brust bei unseren Gastgebern eingefallen, weil wir Franks einzigartige, selbstgemalte Karte richtig interpretiert haben.
Ja es ist schon interessant, man faehrt durch Avoca, dann wieder raus und auf einer ewig langen Strasse bis man dann ankommt und sich wundert, dass weit und breit tatsaechlich nur Schafe und Baume zu sehen sind. Die naechsten Nachbarn sind auf jeden Fall gaaaanz schoen weit weg. Was wahrscheinlich auch schon daran liegt, dass das Grundstueck selbst viele (und ich meine echt viele) Hektar gross ist. Nachts kann man sich mit Sicherheit gut darauf verlaufen, auch weil es ja ausser den Sternen keine besonderen Lichtquellen von anderen Haeusern und Strassenlaternen gibt. Wie gesagt: nur Schafe, und die machen ja eher selten Licht...
Nun ja auf jeden Fall leben Ren und Noel einfach traumhaft schoen. Halloooo, sie haben fuenf Katzen, mehr muss ich ja wohl nicht sagen. Ich war im Paradies!! Hinzu kommt, dass Ren eine unheimlich kreative Frau ist (das liegt echt in der Familie, da muss doch auch irgendwo wenigstens ein kleines Kuenstlergen in mir rumfliegen....;)
und aus ihrem "Garten", oder besser Park, eine Art Kunstaustellung gemacht hat. Sie hat einen Blick fuer gewoehnliche Dinge, die man irgendwie ungewoehnlich in Szene setzen kann. das Ergebnis ist, dass man umherwandelt und all die winzigenm kleinen und absolut erstaunlichen Sachen findet, die man auf den ersten Blick gar nicht wahrnimmt. So findet man z.B. eine schoene Tischbeinkollektion, die eigentlich feuerholz werden sollte, viele in den Wegen eingeklebte Halbedelsteinchen, modellierte Gesichter in Hauswaenden und Schuhe als Blumen"toepfe". Besonders schoen fand ich aauch einen Baum, der leider kaputt gegangen ist; und weil sie ihn noch nicht faellen wollte, hat sie all die Aeste abgeschnitten und einen grossen Traumfaenger daraus gemacht:

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Natuerlich gibt es viele Bilder bei Flickr... da hilft alles beschereiben manchmal nichts, man muss es einfach sehen und selbst dann ist es ja nie so wie in natura.
besonders beeindruckend ist auch, dass Ren sich noch zusaetzlich ein Haus in den Garten gebaut hat, das Rens House. Es ist komplett aus recycelten Dingen hergestellt. Die Waende sind z.B. mit Stroh aus dem eigenen Grundstueck gefuellt. Nur beim Dach hatte sie Hilfe, den Rest hat sie sich alles selbst ausgedacht und umgesetzt. So findet man im fenster z.B. das Saegeblatt eines Maehdreschers als Dekoelement, im Inneren waermt einen ein Ofen aus zwei Bremstrommeln (von einem LKW). In der anderen ecke kann man sich auf wunderschoenen Holzbaenken aus einer Kirche ausruhen. alles was sie finden kann und was andere leute wegwerfen, findet irgendwo seine Verwendung. So z.B. auch die ganzen Schaufensterpuppen, die ueberall draussen stehen. Im haus hat sie z.B. auch einen echt tollen Spiegel, den sie mit halbierten, grundsaetzlich sehr kitschigen, Plastikfruechten beklebt hat. Das Ganze hat sie dann mit einer Farbe angemalt, die "rostig" aussieht und tata hat man einen wunderschoenen Spiegel, den man einem Unwissenden fuer viel Geld verkaufen koennte ;) (und ganz in der Naehe des Spiegels hab ich dann auch noch ganz ueberraschend meinen Papa als kleinen Specki gefunden :)

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Kurz nach unserer Ankunft sind wir dann erstmal zum Pferderennen gegangen um dort unser schwerverdientes Geld loszuwerden. Zum Glueck war es nicht allzu viel, weil gewonnen haben wir naemlich mal gar nichts. Der Dago konnte sich auch nicht so recht damit anfreunden und hat deshalb nur einmal gesetzt, verloren, und die Groschen dann lieber in der eigenen Tasche gelassen. Aber es war ein schoener Nachmittag und richtig gemuetlich mit einer Band und vielen Essensstaenden.

Zuhause hatte Noel dann auch schon bald das Essen fertig und wir haben bis lange in die Nacht gequatscht. Und nur so viel sei gesagt: den besten Whiskey den wir je getrunken haben, gibt es nur bei Ren und Noel;)
Auf jeden Fall sind wir dann auch bald zu Bett geschwankt und ich dachte eigentlich, ein Stadtmaedchen das ich bin, ich koennte niiieeemals einschlafen, denn es gibt keine Zauene, keine Schloesser, alles ist offen und frei und jeder kann prinzipiell einfach mal reinkommen und Hallo sagen. Aber ich habe geschlafen wie ein Stein; da draussen ist naemlich die absolute, perfekte Stille. Es ist beinahe schon gespenstisch, kein Auto (denn es gibt laut Ren nur fuenf am Tag), keine Flugzeuge, Zuege oder sonstiges laermmachendes Zeug.
Wir sind nur kurz am Morgen wach geworden, weil das Opposum, welches im Dach des Gaestehauses lebt, von einer durchzechten Nacht nach Hause gekommen sein muss und ziemlich laut im Gebaelk rumgewurschtelt hat.

Am naechsten tag haben wir dann einen kleinen Ausflaug nach Maldon gemacht. Auf dem Weg dorthin haben wir schon fast einen Schwarm weiss-pinkfarbener Kakadus platt gefahren, die direkt vor unserer Windschutzscheibe entlang geflogen sind; sie waeren fast unser erstes Roadkill geworden (was ich wegen ihrer wundervollen Pinkheit ganz besonders bedauert haette!!)
Maldon selbst ist eine kleine historische Stadt, die eine zeitlang viele Goldgraeber beherbergt hat, und heute einfach nur noch huebsch anzusehen ist. Allerdings teilten wir dieses Vergnuegen mit sage und schreibe 300 Bikern, die eine Tour machten und ausgerechnet in Maldon ihren Lunch hatten. Also war es leider nicht ganz so romantisch und idylllisch wie gedacht, aber immer noch sehr nett!
In diesem ort existieren noch genau diese Tante Emmalaeden, die es vor vielen vielen Jahren auch noch bei uns gegeben hat und es ist einfach total nostalgisch.

Nach unserer Rueckkehr gabs auch bald Abendessen, Noel hat ganz lecker thailaendisch gekocht und dann wurden wir auch schon bald von einem Schwarm wildgewordener Riesennachtfalter attakiert, die ausgerechnet an diesem Tag aus ihren Erdloechern geschluepft waren und in ihren 2 Lebenstagen nichts Besseres zu tun haben als jede Lichtquelle anzubeten, die sie finden koennen. Die Katzen haben waehrenddessen nichts besseres zu tun als draussen vor den fensterscheiben rumzuhaengen und sie nach und nach genuesslich zu verspeisen. Es war wirklich ein grausames Schauspiel ;)
Auf jeden Fall sind Hitchcocks Voegel mal gar nichts gegen diese Nachtfalter. Sie knallen mit einer Wucht gegen das fenster, dass es einem beinahe Angst macht und sie sind so gross, dass sie halt auch einen ordentlichen Laerm machen!

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Allerdings sind diese Zeitgenossen doch um einiges schoener anzusehen als die Spinnen, die es dort so gibt. Wirklich gross, schwarz, haesslich, ekelhaft und zum groessten Teil sehr giftig. Also man sollte einer Redback- oder Whitetail-Spinne auf keinen Fall zu Nahe kommen, Ren und Noel haben beide schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht.
Ich werde vor unseren deutschen Pups-Spinnen nach unserer Rueckkehr jedenfalls keine grose Angst mehr haben.
An diesem Abend haben wir auch noch sehr schoene Lieder von Noel gehoert. Er war naemlich ein echt bekannter Saenger in Australien und hat seine eigenen Songs komponiert. Er hat schon wenn er normal spricht eine sehr angenehme Stimme, wenn er singt ist es einfach nur toll. Wir haben es sehr genossen seine CDs zu hoeren, auch wenn er anfangs ein wenig zuruckhaltend damit war.

Aber nochmal zum Thema Spinnen: Als wir in dieser Nacht in voelligster Dunkelheit zu unserem Gaestehaus gelaufen sind und dann in ein bischen Licht davor standen, hat Ken nur ganz komisch an meinen beinen runtergeguckt und gemient: "oh Isi warte mal...." In einem Anfall von purer Todesangst, gemischt mit dem Gefuehl von Ekel in Reinform, habe ich einen echt bescheuerten stakkatoartigen Stampftanz hingelegt, aber in vollkommener Stille muss hinzugefuegt werden, kein Laut hat meine Kehle verlassen.
Bei genauerem Hinsehen, haben wir dann festgestellt, dass es nur ein Wasserfleck auf meiner Hose gewesen war und ich deshalb beinahe sinnlos an einer Herzattacke verendet waere.
Ken hatte jedenfalls einen 10minuetigen Lachkrampf und meinte ich haette ausgesehen wie ein Stinktier, dass im Angesicht des Feindes wie wild anfaengt mit den Hinterbeinen zu trampeln um die Stinkdruesen anzuregen.
Naja ich weiss ja nicht :)))

Alles in allem war es ein echtes Abenteuer und Erlebnis und wir haben beide glaube ich noch nie so einen faszinierenden Ort gesehen. Auf jeden Fall sind wir sehr erholt und mit neuer Kraft nach Melbourne zurueck gekehrt, um morgen auch wieder brav zur Arbeit zu gehen. Noel hat uns neben einer riesigen Monsterbatterie fuer unseren Van auch noch viele gute Ideen und Tips mitgegeben, die uns unseren Trip noch besser und leichter machen werden, er ist auch so ein richtiger Tueftler.
Ich denke Ken wird die naechsten Tage wieder in der Werkstatt verschollen sein ;)
So jetzt bin ich auch ganz schoen muede und werde mal unser oppossumfreies Zimmer aufsuchen.
Bis ganz bald
isi und Ken

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