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Sonntag, 14. September 2008

Die schnellste Zunge neuseelands, oder: Ein Kea im Joghurtrausch

Darf ich vorstellen: ein Kea
DSC03599

Wir hatten das grosse Vergnuegen dies frechen Biester in Milford Sound kennen zu lernen. Diese Viecher sind sogenannte Bergpapageien und in einem kleinen Neuseelandheftchen wurde schon gewarnt, dass sie sehr boshaft und spitzbuebisch sind und man auf jeden Fall auf seine Schuhe, sein Gepaeck, den Autospiegel und grundsaetzlich auf sein Essen aufpassen (irgendwie eine interessante Kombination, dachten wir uns noch so)
Als wir so auf dem Parkplaz in Milford Sound rumstanden (wohlbemerkt im fiesesten, nebeligsten, regnerischsten wetter, das man sich nur vorstellen kann), hat das Backpackerparchen im Nachbarvan ploetzlich einen Riesenstreit bekommen woraufhin er aus dem Auto struermte, die Tuer zuschlug und dabei irgendwie einen Viererpack Joghurt zerquetscht hat. Somit kam zu dem Streit um was auch immer auch noch ein Streit um den Joghurt hinzu, der ueberall im und um das Auto verteilt war. Waehrend die Fetzerei also weiterging, kam ploetzlich ein Kea auf schnellen Krallen daher (und die sind echt gross, etwa so wie ein Falke und richtig "staemmig", also nicht gerade zierlich;) und hat echt die Turbozunge eingeschaltet und mit einem total irren Ausdruck in den Augen den ganzen Joghurt aufgeschleckt. Als er damit fertig war, konnte man deutlich sehen: das hat nicht gereicht! Total suechtig ist er dann um das auto herumgerannt und siehe da; da lag doch tatsaechlich der muellbeutel des Streitpaerchen und in diesem der ganze kostbare Joghurt. Schwuppdiwupp war die Plastiktuete mit Kea unterm Auto verschwunden, man hoerte nur ein schnelles *ratsch ratsch* und dann ein befriedigtes Schlabbern. Natuerlich lag dann der ganze Muell auf dem Parkplatz rum und wir haben uns ueber die ganze Sache so beoemmelt, allein schon weil das Streit-paerchen von diesem ganzen Drama ueberhaupt nichts mitbekommen hat.
Das war dann auch schon da Highlight von Milford Sound. Es soll zwar absolut atemberaubend schoen sein, nur war an dem Tag echt so eine fiese Suppe, dass wir gerade mal gar nichts gesehen haben. Also sind wir unverrichteter Dinge wieder abgefahren. Auf der langen Strasse zurueck in die Zivilisation hat Ken auf einmal noch einen anderen Kea am Strassenrand gesehen und wollte unbedingt auch von diesem ein Foto machen. Kaum angehalten und Fenster runtergelassen, kam Kea beangstigend schnell angerannt (kennt ihr diese Echsen, die so beinschmeissmaessig auf Wasser rennen koennen? Genauso sieht ein Kea im Sprint aus!) und war mit einem Satz auf unserem Autospiegel. Wir waren beide total erschrocken! Und wir hatten echt Schiss weil das fenster war offen und wir konnten uns beide nur zu gut vorstellen was das Vieh erstmal veranstalten wuerde, wenn es ins Auto reinkommt (die haben echt verdammt scharfe, harte Schnaebel). Und der feine Kea hat auch schon so Bewegungen gemacht, reinzuhuepfen. Dabei hat er mindestens genauso irre und geisteskrank geguckt wie sein Joghurt-Kollege. Ken hat dann nur noch gestammelt: "Mach das Fenster zu, mach das fenster zu!!!" Ich hatte mal wieder die totale Stumm-Panik (nur hektische Bewegungen, aber kein ton zu hoeren), aber trotzdem, wie es sich fuer einen echten Abenteurer-Fotograf gehoert, habe ich im Angesicht des Todes noch schnell ein Foto geschossen, bevor das Fenster endlich nach oben gefahren war (siehe oben). Wir haben dann schnell die Flucht ergriffen, aber Kea konnte das nicht ueber sich ergehen lassen und hat tatsaechlich versucht irgendwie ueber unser Dachfenster reinzukommen. Das war echt wie in einem schlechten Gruselfilm. Also sind wir schnell davon geduest, mit einem surfendem Kea auf dem Dach. Irgendwann muss er dann doch den Schnabel voll gehabt haben und hat die Biege gemacht.
Nur 3 Kilometer weiter, was sehen wir?! Einen Camper auf einem Parkplatz, einen Menschen mit einer Kamera und ein anderer Kea, der gerade versucht ins Auto rein zu kommen;) Wir haetten eigentlich schnell die Fenster runter lassen und schreien muessen: "Lauf, lauf um dein Leben';)
Es war echt so witzig im Endeffekt:)) Wir haben so lachen muessen, nachdem die Gefahr vorueber war;))
Also: echt krasse Voegel! Und wir haben spaeter rausgefunden, dass die total auf jede Art von Gummi stehen und Versicherungen wegen Keas echte Probleme haben. Sie zerhacken naemlich alles, Fahrradsaettel, Gummiteile an Autos und so weiter. Das sind also eindeutig die Geisteskranken unter den Voegeln;)
Und wir haben ihre Taktik rausbekommen: sie stellen sich schoen malerisch und huebsch an den Seitenstreifen, warten auf dumme Touris wie uns, ueberfallen das Auto, pluendern das Essen und machen sich im Autospiegel dann wieder huebsch um die naechsten anzulocken! Schlaue Biester:)

Tja Milford Sound war leider nicht so toll, aber dafuer haben wir jetzt wieder strahlenden Sonnenschein und befinden uns in Richtung Christchurch, weil es geht ja leider schon wieder dem Ende zu. ich hoffe wir bleiben von Vogelangriffen die naechsten tage noch verschont:)

Liebe Gruesse
isi und ken

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